„Schreiben statt Schweigen“

Eine von Familienministerin Karin Prien gestartete und durch den Bundesdrogenbeauftragten Prof. Dr. Hendrik Streeck unterstützte bundesweite Kampagne für das Projekt „Hilfen im Netz“ hat zu einer deutlichen Zunahme an Hilfeanfragen geführt, bei denen bereits akute Kindeswohlgefährdungen vorlagen. Neben dem Bestsellerautor Frank Schätzing übernimmt die Schauspielerin Janine Kunze nun die Schirmherrschaft für den Verbundpartner KidKit der Drogenhilfe Köln. Ermöglicht wurde die Kampagne durch ein Sponsoring des Außenwerbers Wall.

In den Monaten Juli und August 2026 waren bundesweit großformatige Plakate mit dem Slogan „Schreiben statt Schweigen“ an ÖPNV-Haltestellen und anderen zentralen Plätzen zu sehen. Ziel war es, auf das Online-Beratungsangebot von KidKit und NACOA Deutschland im Verbundprojekt „Hilfen im Netz“ für Kinder und Jugendliche von Eltern mit Sucht- und psychischen Erkrankungen aufmerksam zu machen.

Zum Ende der Kampagne kamen die Projektbeteiligten und Förderer an einem Plakatstandort in der Schildergasse am Eingang zur U-Bahnhofstation Neumarkt zusammen, um über die enorme Auswirkung auf die Anzahl und die Inhalte der Hilfeanfragen von betroffenen Kindern und Jugendlichen zu berichten. Die Anzahl der Anfragen in der anonymen Online-Beratung von „Hilfen im Netz“ ist im Kampagnenzeitraum im Vergleich zu den Vormonaten des Projekts um ganze 162 Prozent gestiegen. „Zuhause ist es richtig schlimm!“, „Ich habe keine Kraft mehr.“, „Am liebsten wäre ich einfach tot!“ – besonders auffällig waren solche Aussagen. 56 Prozent der Anfragen wurden zu den Themen häusliche und sexualisierte Gewalt gestellt, also mehr als jede zweite Anfrage. Darüber hinaus waren unter diesen Anfragen erschreckend viele, bei denen extreme Kindeswohlgefährdungen vorlagen und Inobhutnahmen eingeleitet werden mussten.

Frank Schätzing, Bestsellerautor und langjähriger Förderer von KidKit: „Die enorm gestiegenen Zahlen in der Online-Beratung zeigen, wie wichtig eine anonyme und unkompliziert erreichbare Anlaufstelle für betroffene junge Menschen ist. Die starke Kampagne ist Herzstück der Kommunikation: „Du bist nicht allein auf Deinem schwierigen Weg!“

Die Schauspielerin und Moderatorin Janine Kunze, die bereits in einem Musikvideo von KidKit mitgewirkt hat, übernimmt ab sofort eine Schirmherrschaft für das Kölner Projekt: „Ich unterstütze KidKit, da Sucht- und psychische Erkrankungen in der Familie keine Tabuthemen in unserer Gesellschaft bleiben dürfen. Aufklärung und Beratung sind die ersten Schritte, um betroffene Kinder und Jugendliche stark zu machen und präventiv vor der Entwicklung eigener psychischer Erkrankungen zu schützen.“

Ohne den Außenwerber Wall als Medienpartner wäre die Kampagne nicht möglich gewesen. Wall stellte zur Umsetzung bundesweit insgesamt 5.000 Freiflächen für City Light Poster zur Verfügung.

Patrick Möller, Geschäftsführer von Wall: „Wir freuen uns, dass wir so viele Menschen in Not mit der Kampagne in Deutschland erreichen konnten. Das auffällige Plakatmotiv des Projekts „Hilfen im Netz“ hat die Betroffenen direkt angesprochen und vielen Kindern und Jugendlichen einen niedrigschwelligen Weg zu Hilfsangeboten aufzeigen können. Außenwerbung wirkt und hilft zugleich!“

„Hilfen im Netz“ (hilfenimnetz.de) ist ein Verbundprojekt von KidKit (Drogenhilfe Köln) und NACOA Deutschland. Es stellt eine kostenlose und anonyme Telefon- und Onlineberatung für Kinder und Jugendliche aus sucht- und psychisch belasteten Familien bereit. Eine digitale Landkarte informiert zudem über Beratungsstellen vor Ort, Fachkräfte können an Schulungen teilnehmen. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) fördert das gesamte Projekt.

Die Projektleitungen Anna Buning (KidKit, Drogenhilfe Köln) sowie Tanja Ruppert und Timo Kliche (NACOA Deutschland): „Der Slogan ‚Schreiben statt Schweigen‘ hat Wirkung gezeigt. In unserer Online-Beratung haben sich v. a. diejenigen Kinder und Jugendlichen gemeldet, die aufgrund ihrer großen Angst- und Schamgefühle bisher geschwiegen haben und sich niemandem anvertrauen konnten. Durch die Kampagne haben sie zum ersten Mal Mut gefasst und das Schweigen durchbrochen. Nur so konnten dringende Hilfen für sie eingeleitet werden.“

Hintergrund

3,8 Millionen Kinder und Jugendliche sind in Deutschland im Verlauf eines Jahres mit einer psychischen oder Suchterkrankung eines Elternteils konfrontiert. Für die meisten hat diese Situation lebenslange Folgen für ihre eigene psychische Gesundheit und ihren Bildungserfolg.

KidKit (Drogenhilfe Köln) ist ein seit dem Jahr 2003 bestehendes digitales Informations-, Beratungs- und Hilfeangebot für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen zehn und 27 Jahren, die in Familien mit Suchterkrankungen, (sexualisierter) Gewalt und psychischen Erkrankungen aufwachsen.

NACOA Deutschland e.V. ist die 2004 gegründete Interessenvertretung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die von der Alkohol- oder Drogenabhängigkeit oder auch durch nicht-stoffliche Süchte (z. B. Glücksspielsucht/Mediensucht) ihrer Eltern belastet sind. NACOA bietet neben der Online-Beratung auch Selbsthilfeformate, Resilienzprojekte, macht Lobbyarbeit und vernetzt die COA-Community auf Social Media.

Wall ist Außenwerber und Stadtmöblierer aus Berlin. Das Unternehmen vermarktet analoge und digitale Werbeflächen in mehr als 20 deutschen Großstädten und den deutschen Metropolen. Wall ist Teil der JCDecaux-Gruppe, der Nummer eins der Außenwerbung weltweit.

Pressemitteilung von NACOA Deutschland, 2.9.2026