Im Jahr 2025 wurden bundesweit 683 Ermittlungsverfahren zur Organisierten Kriminalität geführt. Dabei wurden knapp 8.000 Tatverdächtige erfasst – der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre. Rund 69 Prozent der OK-Verfahren wiesen einen transnationalen Bezug auf. Rauschgiftkriminalität bleibt mit rund 37 Prozent der Verfahren das Hauptbetätigungsfeld der Organisierten Kriminalität.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt: „Organisierte Kriminalität ist eine wachsende Gefahr für unsere innere Sicherheit: Kriminelle Banden werden professioneller, brutaler und skrupelloser. Unser Ziel ist klar: Mit dem gemeinsamen Aktionsplan zur Bekämpfung von Organisierter Kriminalität und Finanz- und Rauschgiftkriminalität werden wir kriminelle Strukturen besser bekämpfen, illegale Werte beschlagnahmen und Täter härter bestrafen. Gleichzeitig drängen wir Drogenbanden konsequent zurück und entziehen illegalem Drogenhandel den Nährboden.“
BKA-Präsident Holger Münch: „Organisierte Kriminalität verändert ihr Gesicht. Kriminelle Netzwerke agieren heute viel stärker digital vernetzt, international und arbeitsteilig. Auch geopolitische Konflikte können von ihnen genutzt werden. Deshalb müssen wir nicht nur die Täter einzelner Straftaten verfolgen, sondern in nationaler und internationaler Kooperation die Strukturen dahinter aufdecken, ihnen die finanziellen Grundlagen entziehen und ihre Handlungsspielräume konsequent einschränken.“
Inszenierung und Arbeitsteilung verändern die OK
Das Erscheinungsbild der Organisierten Kriminalität verändert sich. Während Abschottung lange ein Kennzeichen der OK war, inszenieren insbesondere jüngere kriminelle Akteure – die sogenannte „Gen-Z-Mafia“ – Macht, Status und Gewalt zunehmend in den sozialen Medien.
Im Sinne von „Crime-as-a-Service“ werden kriminelle Leistungen zunehmend gezielt angeboten und vermittelt. Das Spektrum reicht von Logistik und Waffen über Geldwäsche bis zur Rekrutierung von – oftmals jugendlichen – Tatverdächtigen für Gewalttaten. Das Angebot, der Auftrag und die Vermittlung erfolgen über digitale Kanäle, soziale Medien oder verschlüsselte Messenger. Auftraggeber können dabei aus dem für sie mutmaßlich sicheren Ausland agieren und Täter in Deutschland rekrutieren, ohne ihnen jemals persönlich zu begegnen.
Gewalt als legitime Handlungsoption
Die Anwendung von Gewalt, sowohl bei der Tatbegehung, als auch zum Erhalt der inneren und äußeren Ordnung der OK-Gruppierungen, nimmt weiter zu und betrifft verstärkt auch den öffentlichen Raum. Kennzeichnend sind unter anderem Schutzgelderpressungen und eine niedrige Hemmschwelle beim Schusswaffengebrauch. Seit einigen Jahren sind vermehrt illegale Schusswaffen, insbesondere sogenannte „totalgefälschte Schusswaffen“ in Deutschland feststellbar, die aus der Türkei nach Europa gelangen. Die Schusswaffen werden auf dem Landweg nach Deutschland geschmuggelt und hier durch kriminelle Gruppierungen weiterverbreitet. Diese „totalgefälschten Schusswaffen“ werden außerhalb legaler Produktionsstätten illegal hergestellt und sind originalen Waffenmodellen täuschend echt nachempfunden. Die steigende Verfügbarkeit solcher Waffen erhöht das Gefahrenpotenzial der Gruppierungen, insbesondere weil Gewalt auch im öffentlichen Raum ausgetragen wird.
Rauschgift bleibt Hauptbetätigungsfeld der Organisierten Kriminalität
Rauschgiftkriminalität bleibt mit rund 37 Prozent der Verfahren das Hauptbetätigungsfeld der Organisierten Kriminalität. Das zeigt sich insbesondere bei Kokain und Crack: 2025 wurden 39.414 Straftaten mit diesen Drogenarten festgestellt (2024: 38.671) und damit weiterhin ein hohes Niveau registriert. Insgesamt konnten 10,1 Tonnen Kokain sichergestellt werden, davon 6,5 Tonnen in deutschen Häfen. Weiterhin gelangen große Mengen Kokain mit legalen Warenströmen über die Seehäfen nach Europa. Für den Schmuggel setzen kriminelle Netzwerke darüber hinaus immer öfter auf schnelle „Go-Fast-Boote“. Die Milliardengewinne aus dem Kokainhandel werden auch für Bestechung und Einflussnahme genutzt und das gewaschene Geld wird in den legalen Wirtschaftskreislauf eingebracht. Der Kokain-Handel ist deshalb eine Gefahr für unseren Staat, unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft.
Im Bereich Cannabis haben sich die Sicherstellungen von Marihuana 2025 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Auch wird Cannabis in Deutschland weiterhin illegal angebaut. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 567 Cannabis-Plantagen mit Anbaukapazitäten ab 20 Pflanzen sichergestellt, was gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um rund 55 Prozent darstellt.
Prof. Dr. Henrik Streek, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen: „Die 2.150 Menschen, die im vergangenen Jahr an Drogen gestorben sind, sind auch Opfer der Organisierten Kriminalität. Rauschgift ist deren wichtigstes Geschäftsfeld in Deutschland. An jedem Gramm Kokain klebt Blut. Jedes Gramm finanziert Gewalt, Korruption und Geldwäsche. Deshalb gehen wir beide Seiten dieses Marktes an: Wir nehmen den Netzwerken ihr Geld, ihre Vertriebswege und ihre Ausgangsstoffe. Und wir sorgen mit Prävention, Frühintervention und Behandlung dafür, dass weniger Menschen abhängig werden und sterben. Null Toleranz gegenüber denen, die an der Sucht verdienen. Null Gleichgültigkeit gegenüber denen, die an ihr erkranken.“
Das Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2025 finden Sie HIER
Das Bundeslagebild Rauschgift 2025 finden Sie HIER
Pressestelle des Bundeskriminalamtes, 15.9.2026
