
Seit 25 Jahren bietet die Adaption der Bernhard-Salzmann-Klinik Gütersloh Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen Unterstützung beim Neustart ins Leben. Bis heute ist sie die einzige Adaptionseinrichtung im gesamten Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Als Teil der Bernhard-Salzmann-Klinik gehört sie zum LWL-Rehabilitationszentrum Ostwestfalen und damit zum LWL-Klinikum Gütersloh. Ihr Auftrag: Menschen dabei zu helfen, nach einer Entwöhnungsbehandlung wieder Fuß zu fassen – beruflich, sozial und mit einer stabilen Wohnperspektive. Dabei nimmt die Adaption Rehabilitand:innen von weit außerhalb der Grenzen des Kreises Gütersloh auf.
Wenn die Therapie allein nicht ausreicht„Eine abgeschlossene Entwöhnungsbehandlung bedeutet nicht automatisch, dass der Alltag ohne Sucht gelingt“, betont Christine Demuth. Viele Menschen, die in die Adaption kommen, stehen vor mehreren Herausforderungen zugleich: „Fast 85 Prozent sind arbeitslos, viele haben ihre Wohnung verloren, sind verschuldet oder verfügen über kein stabiles soziales Umfeld“, zählt die Diplom-Sozialpädagogin aus dem Adaptions-Team auf. Hinzu kommen häufig gesundheitliche und psychische Belastungen.

„Alkohol- und Drogenabhängigkeit machen jeweils einen großen Teil der Erstdiagnosen aus. Auch Verhaltenssüchte wie Glücksspielen oder Medienabhängigkeit werden behandelt“, erklärt Sozialarbeiter Matthias Cabadag. Häufig bestehen mehrere (Abhängigkeits-) Erkrankungen gleichzeitig: „Bei 43 Aufenthalten im Jahr 2025 lag nur in zwei Fällen eine einzelne Suchtdiagnose vor. Sehr oft kommen eine oder mehrere weitere psychiatrische Diagnosen hinzu, beispielsweise Depressionen, Angststörungen oder posttraumatische Belastungsstörungen“, erklärt Dr. Christiane Rasmus, Chefärztin des LWL-Rehabilitationszentrums Ostwestfalen. „Häufig sind es dann genau diese Menschen, für die eine reine Entwöhnungsbehandlung in der Bernhard-Salzmann-Klinik oder vergleichbaren Einrichtungen nicht ausreicht“, fügt Christine Demuth an. Hier kommt dann die Adaptionsbehandlung ins Spiel.
Selbständigkeit trainieren, Perspektiven entwickeln
Die Adaption ist als zweite Phase der medizinischen Rehabilitation darauf ausgerichtet, die Voraussetzungen für ein möglichst eigenständiges Leben zu schaffen und somit auch die Rückfallwahrscheinlichkeit zu verringern. Dafür stehen in Gütersloh zehn Behandlungsplätze bereit. Jedem Rehabilitanden und jeder Rehabilitandin steht ein eigenes Appartement mit Bad und kleiner Küche zur Verfügung. Die Behandlung dauert im Durchschnitt 14 Wochen.
In der Adaption liegt der Fokus auf dem Training der selbständigen, abstinenten Alltagsgestaltung, einer selbstverantwortlichen Lebensführung und dem Wiedereinstieg ins Erwerbsleben. Während der Behandlung absolvieren die Rehabilitand:innen ein mindestens vierwöchiges Praktikum, um ihre beruflichen Fähigkeiten zu erproben und Perspektiven für eine Arbeitsaufnahme zu entwickeln. Die Einsatzbereiche reichen von Landwirtschaft, Handwerk und Industrie über Lagerlogistik und Einzelhandel bis hin zu kaufmännischen Tätigkeiten und Arbeiten im Gesundheitswesen. Nach dem Praktikum stehen die Planung für die Zeit nach der Behandlung, die Wohnungssuche und die Vermittlung weiterführender Hilfen im Mittelpunkt.
Regelmäßige Gruppen- und Einzeltherapie, ärztliche und psychologische Begleitung sowie Sozialberatung ergänzen das Angebot. Das Adaptions-Team besteht aus Sozialarbeitenden mit suchttherapeutischer Qualifikation sowie Psycholog:innen und Fachärzt:innen. Sie arbeiten eng mit einem großen Netzwerk aus Praktikumsbetrieben, den Jobcentern, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe zusammen. „Denn Adaption funktioniert nicht ohne Kooperation“, betont Dr. Christiane Rasmus.
Wohnraum und Arbeit als Schlüssel zur Stabilität
„Eine besondere Herausforderung ist die Suche nach bezahlbarem Wohnraum“, betont Matthias Cabadag. Viele Rehabilitand:innen leben von Sozialleistungen, haben negative Schufa-Einträge oder finden aufgrund ihrer Lebenssituation kaum eine Wohnung. Gleichzeitig ist ein sicheres Zuhause eine wesentliche Voraussetzung für ein abstinentes Leben und die berufliche Integration. Auch die Rückkehr in ein früheres, suchtbelastetes Umfeld kann den Neustart erschweren. „Oft sind der alte Beruf und das alte Umfeld Teil der Belastungssituation“, erklärt Ulrike Dickenhorst, Therapeutische Leiterin der Bernhard-Salzmann-Klinik.
Dass sich die intensive Begleitung lohnt, zeigen die Zahlen: „Im Jahr 2025 lag die Abbruchquote bei lediglich sieben Prozent“, weiß Christine Demuth. Die Arbeitslosenquote hat sich am Ende der Behandlung halbiert. Im Durchschnitt durchlaufen jährlich 40 bis 45 Menschen die Adaptionsbehandlung. Seit der Gründung wurden insgesamt rund 950 Rehabilitand:innen aufgenommen. Zuletzt waren sie im Durchschnitt 42 Jahre alt.
Heute ist die Adaption der Bernhard-Salzmann-Klinik im Haus 55 am Rand des LWL-Geländes in Gütersloh untergebracht. Sie hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Geblieben ist das Ziel, Menschen nicht nur beim Ausstieg aus der Sucht, sondern auch beim Aufbau eines tragfähigen Alltags zu unterstützen.
Gefeiert wurde das 25-jährige Bestehen mit einer Veranstaltung, zu der eine Vielzahl der Kooperationspartner kamen. So konnte nicht nur das Jubiläum begangen, sondern gleichzeitig auch das bestehende Netzwerk weiter gefestigt werden.
Pressestelle des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), 29.10.2026
