Rangliste der Schädlichkeit von Drogen

In den USA werden Drogen je nach ihrem Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial rechtlich in fünf Kategorien unterteilt. Eine Gruppe von Expertinnen und Experten bemängelt, dass die Einstufungen ungenügend wissenschaftlich begründet seien.

Ist Cannabis genauso gefährlich wie Heroin? Aus Sicht der bundesweiten US-amerikanischen Gesetzgebung scheint es so zu sein. Beide Substanzen sind in „Schedule I“ des „Controlled Substance Act“ eingruppiert. Das Gesetz klassifiziert Drogen unter anderem nach ihrem Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial. Ein Forschungsteam um Studienleiter Michael Broman kritisiert, dass die rechtliche Einstufung nicht auf wissenschaftlichen Kriterien beruhe.

Im Juli 2024 trafen sich Broman und 16 weitere Fachleute aus der Medizin, Psychologie, Sozialarbeit und anderen Disziplinen zu einer zweitägigen Diskussionsrunde. Ihr Ziel war es, eine Rangliste für die Schädlichkeit von Drogen zu erstellen. Sie bedienten sich dazu eines Bewertungssystems, das Forschende aus dem Vereinigten Königreich bereits 2010 entworfen hatten. Das damalige Team um Studienleiter David Nutt war zu dem Ergebnis gekommen, dass unter den 20 bewerteten legalen und illegalen Drogen Alkohol vor Heroin an der Spitze der Schädlichkeitsskala steht.

Bewertungssystem mit 18 Kriterien

In ihrer Studie bewerteten Broman und sein Team 19 Substanzen. Darunter waren legale Substanzen wie Alkohol, Tabak oder E-Zigaretten und illegale wie Heroin, LSD oder psilocybinhaltige Pilze. Die Bewertung wurde anhand von 18 Kriterien vorgenommen. Dabei ging es um körperliche, psychische und soziale Schäden.

Die Schäden können sich sowohl auf die konsumierende Person auswirken als auch auf andere Menschen. Beispielsweise ist übermäßiger Alkoholkonsum nicht nur schädlich für die trinkende Person. Unter dem Einfluss von Alkohol ereignen sich auch Verkehrsunfälle, von denen andere Menschen betroffen sind. Für jede Substanz ermittelten die Forschenden einen zusammenfassenden Schädlichkeitsindex.

Schädlichkeit von Fentanyl am höchsten bewertet, die von Pilzen am niedrigsten

Von allen Drogen wurde Fentanyl als die schädlichste Substanz bewertet. Das synthetische Opioid, das in der britischen Studie von 2010 noch gar nicht berücksichtigt wurde, erreichte 90 von 100 Punkten. Die extrem hohe Gefahr der Überdosierung trug maßgeblich zur Bewertung bei. Es folgen Methamphetamin, Crack und Heroin. Bei diesen Substanzen spielten vor allem Todesfälle infolge des Konsums und hohe gesellschaftliche Kosten eine zentrale Rolle.

Alkohol landete auf Platz 5 hinter Heroin, aber vor Kokain. Obwohl Alkohol legal ist, bewerteten die Expertinnen und Experten ihn als schädlicher als viele illegale Drogen. Ausschlaggebend waren unter anderem die vielen Gesundheitsschäden, alkoholbedingte Unfälle, Gewalt, familiäre Probleme und hohe volkswirtschaftliche Kosten.

Cannabis rangiert mit 32 Punkten im Mittelfeld. Die geringste Schädlichkeit wurde den psychedelischen Drogen zugewiesen: LSD besetzt den vorletzten Platz, psilocybinhaltige Pilze bilden das Schlusslicht auf der Schädlichkeitsskala. Auffällig ist, dass Psychedelika im US‑Recht als besonders gefährlich gelten. Sie sind in Schedule I eingestuft, der höchsten Kategorie des Controlled Substances Act.

Kaum Zusammenhang zwischen Gesetz und Schaden

Das Forschungsteam hat die Schädlichkeitsskala anschließend mit der Gesetzgebung statistisch abgeglichen und kommt zu dem Ergebnis, dass es so gut wie keine Übereinstimmung gibt. Konkret bedeutet das: Drogen, die rechtlich als besonders gefährlich gelten, sind aus Sicht der Forschenden oft weniger schädlich und umgekehrt. So ist Alkohol zwar legal, rangiert aber weit oben in der Schädlichkeitsskala. Pilze, LSD und Ayahuasca gelten rechtlich als Hochrisikodrogen ohne medizinischen Nutzen, belegen jedoch die drei letzten Plätze im Schadensranking.

Broman und sein Team führen die Unterschiede vor allem auf historische und politische Faktoren zurück. Der Controlled Substances Act wurde bereits 1970 eingeführt und berücksichtigt nur wenige Aspekte, z. B. das Abhängigkeitspotenzial und die medizinische Nutzung. Viele soziale und gesundheitliche Folgen wie Überdosierungen, familiäre Belastungen oder wirtschaftliche Kosten würden kaum einfließen. Die von den Expertinnen und Experten verwendete Methode bezieht diese Faktoren hingegen systematisch mit ein. Zudem berücksichtigt sie, wie verbreitet eine Substanz ist. Eine Droge mit moderatem Risiko für Überdosierung kann gesellschaftlich großen Schaden anrichten, wenn sie sehr häufig konsumiert wird – wie beispielsweise Alkohol.

Prävention statt Bestrafung

Broman und sein Team fordern daher, dass die US-amerikanische Drogenpolitik sich weniger auf die Bestrafung von Konsumierenden konzentrieren und mehr in Prävention, medizinische Versorgung und Schadensminderung investieren sollte. Die von den Forschenden entwickelte Schädlichkeitsskala könne eine Grundlage sein, um den Fokus mehr auf die gesundheitliche Situation Betroffener zu lenken.

Originalpublikation:
Broman, M., Davis, A. K., Armstrong, S., Levin, A., Ahmed, K., Angarita, G. A., et al. (2026). US drug policy does not align with experts’ rankings of drug harms: A multi‑criteria decision analysis. Harm Reduction Journal, 23(17), 1–12, https://doi.org/10.1186/s12954-025-01390-x.

Quelle: https://www.drugcom.de/, 13.5.2026